Don und Petie Kladstrup sind ehemalige Journalisten, die im Laufe ihres beruflichen Wirkens zahlreiche
Artikel über Wein und Frankreich veröffentlicht haben. Sie sind die Autoren des internationalen Bestsellers
Wine and War („Wein und Krieg”), ein Werk, das den Überlebenskampf der französischen
Winzer während der nationalsozialistischen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg behandelt. Ihr
aktuelles Werk, Champagne!, ist dem Ersten Weltkrieg gewidmet, oder der Frage „wie der
glamouröseste Wein der Welt über den Krieg und dieses dunkle Kapitel der Geschichte triumphierte”
Schon seit vielen Jahren ist der Wein ein fester Bestandteil ihres Lebens. Als die Kladstrups noch in
den Vereinigten Staaten lebten, kam es von Zeit zu Zeit vor, dass sie zum Barbecue oder zu besonderen
Anlässen eine Flasche aufmachten, aber zum Essen tranken sie eher selten Wein. Erst nachdem wir nach
Frankreich gezogen waren„, sagt Don, „haben wir den Zauber des Weines entdeckt, der sowohl
zum Essen ein Begleiter ist, als auch ein Weggefährte im Leben”. Das soll aber nicht heißen,
dass die Kladstrups amerikanische Weine und die der Neuen Welt verschmähen, sondern jene ebenfalls
schätzen. Diese Weine sind einfach nur anders. Als Don beruflich für zwei Jahre nach Südafrika musste,
hatten sie Gelegenheit, die Weine zu kosten, die in diesem Land produziert wurden. „Alles war
damals sehr archaisch und furchtbar stillos”, erklärt Petie. „Selbstverständlich haben
sich die Dinge im Laufe der letzten zehn Jahre weiterentwickelt. Das macht ja gerade die Welt des
Weins so interessant: dass man die Entwicklung mitverfolgen kann und zugleich mit den für den
Fortschritt verantwortlichen Leuten in Kontakt kommt”.
Als Don in Frankreich als Korrespondent fürs Fernsehen tätig war, versuchte er ständig seine
Vorgesetzten in New York davon zu überzeugen, ihn über die französischen Weine berichten zu lassen.
„Das war nicht immer ganz einfach”, erklärt Petie. „Vor allem wenn Ereignisse
globalen Ausmaßes, wie die Revolution im Iran oder der Fall der Berliner Mauer in den Vordergrund
des Geschehens rückten. Dennoch gelang es ihm, oft sogar zwei Mal im Jahr. Und New York liebte
es”.
Nach und nach, im Laufe der Jahre, haben die Kladstrups die Menschen, die den Wein erzeugen,
wirklich kennen gelernt. Mit vielen von ihnen sind sie mittlerweile gut befreundet. „Daraus
schöpfen wir unsere Inspiration, die wir zum Schreiben brauchen”, sagt Petie. „Diese
Weingutsbesitzer faszinierten uns im wahrsten Sinne des Wortes. Wir wollten die Persönlichkeit
dieser Leute begreifen und die Art und Weise, wie diese in ihren Weinen zum Ausdruck kommt”.
Die Tatsache, dass sie Amerikaner waren, kam den Kladstrups zugute, besonders als sie an Wine
and War schrieben. „Wir hatten keine Angst, Fragen zu stellen”, fügt Petie hinzu,
„und vor allen Dingen standen wir der französischen Politik während der Besatzung neutral
gegenüber. So fiel es den Leuten leichter, uns zu erzählen, wie sie überlebt haben”.
In der Zeit, als sie für Wine and War recherchierten, stießen Don und Petie auf das Weingut
Château Palmer. Sie erfuhren, dass damals zwei jüdische Familien in einem Nebengebäude hinter dem
Schloss versteckt worden waren, gerade noch rechtzeitig, bevor das Weingut von den Deutschen
beschlagnahmt wurde. Sie sind nie entdeckt worden.
Don und Petie hatten Gelegenheit, die phantastischen Weine von Château Palmer zu entdecken. Einmal
schenkte Petie Don zu Weihnachten eine Kiste Palmer Jahrgang 1982. Die zwölf Flaschen haben sie
schon vor langer Zeit aufgemacht. Der einzige noch übrig gebliebene Château Palmer in ihrem
Weinkeller ist eine Flasche aus dem Jahre 1970. Ein Wein, der seine Reife sicherlich schon erlangt
hat, doch die Kladstrups warten auf den richtigen Zeitpunkt und verkosten und genießen in der
Zwischenzeit jüngere Weine. „Mit unseren Weinen ist es wie mit Kindern. Wir wollen sie
heranwachsen sehen. Wir wollen sie erleben, solange sie jung sind, wenn sie erwachsen werden und
auch im Alter”.
Ob es an der Faszination für die dunklen Kapitel der Geschichte liegt, dass sie eine ganz
spezielle Flasche im Keller haben, an der Don ganz besonders hängt? „Unsere Lieblingsweine
sind immer die, die wir noch nicht getrunken haben”, erklärt Petie, „die, die im
Weinkeller auf uns warten”. In diesem Fall handelt es sich um einen Château Ausone 1892,
der aus dem großen Pariser Restaurant Café Voisin stammt, das es mittlerweile nicht mehr
gibt. Dieses Restaurant verdankt seinen Ruf einem höchst ungewöhnlichen Weihnachtsmahl, das
1870 während des französisch-preußischen Krieges serviert wurde. Paris wurde damals von der
Deutschen Armee belagert und die Essenvorräte begannen langsam knapp zu werden. Um die
hungernden Pariser zu ernähren, wurden alle Tiere aus dem Zoo geschlachtet. Als Geniestreich
erwies sich ein Menü, das der Besitzer des Café Voisin aus Zootieren zubereitete und zu
dem sehr große Weine gereicht wurden.
Es ist schon einige Jahre her, als eine Flasche Wein aus den Beständen des Café Voisins versteigert
wurde. Als Don davon erfuhr, konnte er nicht anders als ein Angebot zu machen. Und er hat sie ersteigert!
„Ich weiß wirklich nicht, wann wir sie aufmachen werden”, meint er, „doch ich hoffe,
dass wir uns eines Tages trauen, sie zu trinken. Soviel ist sicher, es wird zu einem besonderen Anlass
sein”.
Und an besonderen Anlässen wird es sicherlich nicht fehlen, im außergewöhnlichen Leben von Don
und Petie. Ganz egal, an welchen Ort sie sich gerade befinden!