VIER JAHRESZEITEN IM KELLER
Zwischen Weinlese und Flaschenabfüllung widmen wir uns unseren Weinen
mit liebevoller Sorgfalt. Der zweite wichtige Schritt in der
Weinbereitung ist, nach der Vinifizierung, der Ausbau in Eichenfässern.
Die auf tiefen, sehr mageren Böden gewachsenen Weine von Château Palmer
gewinnen dabei an Fleisch und Fülle und entwickeln ihre unvergleichliche
Typik und ihren einzigartigen Stil.
HERBST
Generell beginnt die Weinlese zum Herbstbeginn und im Keller herrscht
eine rege Aktivität. Nach der Anlieferung im Keller werden die nach
Rebsorten und nach Parzellen getrennten Trauben auf Söndertischen
sorgfältig verlesen. Die entrappten Trauben werden dann sanft gekeltert,
damit die Beerenhülsen aufplatzen. Nach dem Keltern kontrollieren wir
noch ein letztes Mal den Zuckergehalt und Säuregrad der Beeren. Unser
Keller beherbergt 50 Gärtanks und so können wir jede Parzelle getrennt
vinifizieren. Diese individuelle Verarbeitung des Leseguts ist für uns
eine wichtige und ständig aktualisierte Informationsquelle über die
Besonderheiten einer jeden Parzelle. Sie bildet die Grundlage für die
spätere Festlegung der Anteile am Mischsatz bei der Weinvermählung.
Die Trauben gären 8 bis 10 Tage in den Tanks. Die Gärtanks werden
mehrmals am Tag umgepumpt, was den Gärvorgang verbessert und die
Extraktion der phenolischen Bestandteile erleichtert. Die Maischegärung,
also der direkte Kontakt der Beerenhülsen mit dem Most, dauert rund 10 Tage.
Während dieser Abläufe wird die Temperatur strengstens kontrolliert und
auf das Traubenpotenzial jedes Tanks abgestimmt. Jeder Wein wird einzeln
verkostet, um den richtigen Moment für den Abstich des jeweiligen Tanks
zu bestimmen. Wir trennen dabei den Vorlauf vom Tresterhut, den wir
anschließend sofort pressen. Die so gewonnenen Vorläufe und Scheitermoste
durchlaufen dann die Apfelmilchsäuregärung, die den Wein stabilisiert
und von überschüssiger Säure befreit.
Im einjährigen Keller liegen, sauber ausgerichtet, die Fässer für den
neuen Wein. Sofort nach Abschluss der Apfelmilchsäuregärung, also rund
einen Monat nach der Weinlese, wird der Wein abgestochen und in Fässer
abgefüllt. Dies ist der Beginn der zwischen 18 und 21 monatigen
Ausbauphase. Während der ersten sechs Monate werden die Spundlöcher der
Fässer mit Glasstopfen verschlossen, damit sie nicht hermetisch
abgeschlossen sind, sondern die sich im Fassinnern entwickelnden Gase
langsam entweichen können. Der Kontakt des Weins mit der Luft und mit
dem Holz ist wichtig für einen gelungenen Ausbau. Der Volumenverlust
durch die Weinverdunstung im Fass wird durch regelmäßiges und häufiges
Auffüllen der Fässer (zweimal die Woche) ausgeglichen was vermeidet,
dass der Wein zu stark oxidiert. Während dieser Zeit werden die Weine
des Vorjahrs im zweijährigen Keller weiter ausgebaut.
WINTER
Zum noch besseren Verständnis unserer Weine und verfeinerten Abschätzung
ihres Potenzials wird jeder Tank von uns regelmäßig und häufig verkostet.
Welchen Anteil im Mischsatz wird er bei der Weinbereitung stellen? Was
bringt er uns an Aromen? Wir analysieren ebenfalls die Struktur und Textur
des Weins, seinen Anklang, seine Fleischigkeit und Fülle im Mund, seine
Langlebigkeit beim Abgang, die Länge seines Aromaspiels, seine Komplexität,
aber auch seine Eleganz und seine Finesse, wobei wir uns immer fragen:
wie klingen in uns die akkordartigen Zusammenhänge seiner Gesamtharmonie?
Eine trotz der Häufigkeit immer wieder spannende Übung, die uns die
Entscheidungsfindung für die definitive Weinvermählung erleichtert, bei
der die Bodentypik von Château Palmer zu vollem Ausdruck kommen soll.
Trotz der wissenschaftlichen Vorgehensweise birgt die Weinvermählung doch
ein schöpferisches Moment, das sie zur wahren Kunst erhebt. Die Weinvermählungen
werden erst nach dem zweiten Abstich im Februar vorgenommen, wobei wir
langsam und schrittweise vorgehen, hin und her gerissen zwischen vorsichtigem
Zweifel und Zuversicht für die zukünftige Entwicklung dieses neuen Jahrgangs,
den wir zu Beginn des Frühjahrs bei der Verkostung der Primeurweine zum ersten
Mal präsentieren.
Die im zweijährigen Keller gelagerten Weine des Vorjahrs werden dann im
Dezember geschönt, wobei wir traditionsgemäß frisches Eiweiß verwenden. Das
leicht geschlagene Eiweiß wird dem in den Fässern lagernden Wein zugegeben,
eine natürliche Klärung, durch die er an Geschmeidigkeit gewinnt. Beim
Abstich der Fässer bei Kerzenlicht im Februar werden die Weine vom
Schönungstrub getrennt und sind nunmehr klar.
FRÜHLING
Der Wein des neuen Jahrgangs wird jetzt zum dritten Mal abgestochen, die
Fässer werden gedreht bis das Spundloch seitlich liegt. Der Wein wird
weiterhin im einjährigen Keller ausgebaut…
Im zweijährigen Keller werden die Fässer im April erneut (zum sechsten Mal)
abgestochen. Der Wein wurde jetzt 18 Monate lang ausgebaut. Je nach
Entwicklungsstand des Weins wird über dessen Flaschenabfüllung entschieden,
die normalerweise zwischen Frühjahrsende und Sommeranfang erfolgt. Dank der
Sorgfalt bei den verschiedenen Abstichen brauchen die Weine vor der
Flaschenabfüllung nicht mehr gefiltert zu werden und wahren so ihre Integrität.
SOMMER
Im einjährigen Keller bleibt es, trotz Sommerhitze, angenehm kühl. Sind die
heißesten Tagen im August vorbei, werden die Weine dann im September
abgestochen und die Fässer anschließend in den zweijährigen Keller
transportiert, denn wir müssen Platz schaffen für den bereits in den
Weinbergen heranreifenden neuen Jahrgang.