Château Palmer Rechtlicher Vermerk
Besitz
Weinberg
 

VIER JAHRESZEITEN IM WEINBERG

Ein Spitzenwein nimmt seinen Ursprung bereits im Weinberg. Unabhängig von den Witterungsbedingungen des Jahrgangs entscheidet im wesentlichen unser Verständnis für die Entwicklungen in den Weinbergen und die Reaktionen der Reben auf die jeweiligen klimatischen Bedingungen über die Qualität unseres Leseguts und damit über die Qualität des Weins.

FRÜHLING

Die Reben auf Château Palmer sind relativ frühreif. Schon in der zweiten Märzhälfte springen die ersten Knospen auf: als wahrer Frühlingsbote symbolisiert der Austrieb den Beginn des vegetativen Wachstumszyklus. Aber die eigentliche Geburtsstunde des neuen Jahrgangs ist er nicht, denn wir haben bereits durch den Winterschnitt und durch Auswahl der Triebe und Augen an den einzelnen Rebstöcken das schlafende Holz auf dieses Frühlingserwachen vorbereitet.

Wir brechen die im Herbst rund um die Wurzelstöcke angehäufelte Erde auf und unsere Winzerinnen häufeln nach dem Durchgang der Weinbergsegge zwischen den Rängen die nunmehr aufgelockerte Erde ab.

Im April bilden sich die jungen Trauben aus, sind aber bis Mitte Mai noch sehr empfindlich. Dies ist ein aus phytosanitären Gründen für uns sehr kritischer Moment. Seit mehr als 10 Jahren setzen wir auf integrierten Pflanzenschutz und die alljährliche Optimierung der angewendeten Verfahren sorgt heute für einen effizienten Schutz der Rebstöcke. Zudem sind diese Verfahren umweltfreundlich und sichern nachhaltig das unvergleichliche Potenzial unserer Böden.

Zu dieser Jahreszeit entfernen wir auch manuell die jungen Triebe, die keine Trauben hervorbringen und daher wertlos sind, und den vom Winzer beim Winterschnitt ausgewählten Traghölzern nur unnütz Nährstoffe wegnehmen würden.

In den letzten Maitagen beobachten wir dann besonders aufmerksam die Linden rund um Château Palmer. Sie signalisieren uns alljährlich den Beginn der Merlot-Blüte auf der Parzelle Croix de Fer. Ebenso aufmerksam beobachten wir die Wetterentwicklung, denn zu diesem Zeitpunkt sind die Blüten sehr witterungsempfindlich und der Fachmann spricht von Verrieseln, wenn infolge physiologischer Störungen die Fruchtansätze absterben oder die Beeren infolge mangelhafter Befruchtung klein bleiben, was natürlich negativ auf die zukünftigen Erträge auswirkt.

Anschließend binden unsere Winzerinnen die Triebe auf, das heißt, sie befestigen diese an den als Stützen verwendeten, manuell gezogenen Drähten, damit sich die Blätter und Trauben beim Weiterwachsen der Rebstöcke ausgewogen verteilen. Später dann begrenzen wir die Laubentwicklung durch Gipfeln der Reben und belassen nur die für die Reife der Trauben notwendige Blattfläche.

SOMMER

Im Juli haben die Beeren ihr Wachstum abgeschlossen und sitzen jetzt so dicht, dass die Traube sich schließt. Je nach Jahrgang kann sich ein Grünschnitt als notwendig erweisen, um die Erträge gleichmäßig über alle Rebstöcke zu verteilen. Wir sind prinzipiell gegen diesen Eingriff, der unserer Meinung nach überflüssig ist, wenn man die Rebstöcke eingangs sachkundig beschnitten hat. Und deshalb können wir auch in den meisten Fällen auf den Grünschnitt verzichten, außer beim Petit Verdot, dessen Erträge wir alljährlich mindern müssen, damit die verbleibenden Trauben die optimale Reife erreichen. Auch manche besonders ertragreichen Jahre zwangen uns zum Eingreifen, der Jahrgang 2004 ist diesbezüglich ein Paradebeispiel!

Eine weitere für die Qualität des zukünftigen Weins entscheidende Phase beginnt mit dem Farbwechsel der Trauben (véraison)im August. Die Trauben färben sich langsam dunkel, ein Zeichen für die sich sammelnden Farbstoffe. Ab diesem Zeitpunkt entwickeln sich auch die phenolischen Bestandteile, Tannine und Anthocyane, ein Reifeprozess, der sich bis zur Weinlese fortsetzt. Der für uns auf der Halbinsel des Médoc wegen des maritimen Klimas typische Wechsel zwischen heißen Tagen und kühleren Nächten sorgt dafür, dass unsere Trauben langsam und unter optimalen Bedingungen heranreifen können. Im Gegenzug müssen die Weinberge aber auch manchmal die vom Meer her aufziehenden starken Gewitterregen über sich ergehen lassen. Dieses Regenwasser wird jedoch von unseren tiefen Kiesböden schnell absorbiert und behindert daher nicht den langsamen Konzentrationsprozess der phenolischen Bestandteile in den Beeren. Das regelmäßige Umpflügen der Erdstreifen zwischen den Rängen zerstört zudem die zu dicht an der Oberfläche befindlichen Wurzeln, was vermeidet, dass die Trauben durch leichte Sommerregen verwässert werden.

In einem normalen Jahr ist die Beerenreife auf den frühesten Parzellen Ende September abgeschlossen. Dieser Zeitpunkt bestimmt den Beginn der Weinlese.

Zum Ende des Sommers kontrollieren wir parzellenweise den Reifegrad der Trauben, im September zuerst einmal wöchentlich und dann bei fortschreitender Reife immer häufiger, um den optimalen Reifegrad zu bestimmen. Wir kontrollieren dabei den Zucker- und Säuregehalt der Trauben, aber auch den Konzentrationsgrad und die Qualität der in den Beerenhülsen enthaltenen Phenole. Ebenso wichtig ist die Verkostung der Beeren, denn nur so können wir die Qualität der Fruchtaromen und der in den Beerenhülsen und Kernen enthaltenen Tannine ermitteln. Diese ersten Informationen sind wertvolle Hinweise für die Organisation der weiteren Vorgehensweise bei der auf die Weinlese folgenden Weinbereitung. Wir wollen in unseren Weinen die natürlichen Eigenschaften unserer Trauben wieder finden: der Weinbereiter darf nicht mehr tun, als das ihm vom Winzer gelieferte Traubenpotenzial, die Bodentypik und die Besonderheiten des Jahrgans zur vollen Entfaltung zu bringen. Den ganzen September über widmen wir uns der sorgsamen Detailanalyse des Traubenpotenzials.

HERBST

Zum Herbstanfang haben meist die Merlot-Trauben unserer frühesten Parzellen die optimale Reife erreicht. Die Weinlese kann beginnen, einer der wichtigsten Momente auf dem Weingut! Sie ist für unsere Winzer die Krönung und Belohnung für die über das Jahr geleistete Arbeit! Um einen Spitzenwein zu erzielen, geht man auf Château Palmer bei der Ernte des vollreifen Leseguts ebenso sorgsam vor wie bei der Außenwirtschaft.

Über 2 bis 3 Wochen werden dazu auf dem Gut rund 120 Weinleser beschäftigt, beherbergt und verköstigt. Wir erklären ihnen, was wir von ihnen erwarten und unter der Leitung von Mitarbeitern des Guts verteilen sie sich dann in kleinen Gruppen über die Weinberge.

Die Weinlese beginnt mit dem Merlot, der meist 8 bis 10 Tage vor dem Cabernet Sauvignon reif ist: ausschließlich manuelle Weinlese mit strenger Traubenauslese und das Arbeitsprogramm der Weinleser wird von unseren Mitarbeitern jeden Tag bedarfsgerecht je nach Reifegrad der Parzellen bestimmt. Die Beeren werden mindestens einmal pro Tag verkostet, bevor die definitive Entscheidung für den Weinlesetermin fällt!

Eine frühzeitige und strenge Beerenauslese ist entscheidend für die Qualität des Leseguts. Die Trauben werden in kleinen Holzbehältern (8kg) zum Keller transportiert, dort erneut verlesen und dann in die Gärtanks gefüllt. Jetzt fällt dem Weinbereiter-Team die verantwortungsvolle Aufgabe zu, die Typik des Leseguts zur vollen Entfaltung zu bringen.

Das Laub der abgeernteten Rebstöcke wechselt langsam die Farbe von Goldgelb über Rostrot bis Feuerrot, bevor die Blätter dann abfallen und die Rebstöcke in die Winterruhe gehen. Zum Herbstende häufeln die Winzer rund um die Wurzelstöcke kleine Erdhäufchen an und die Erde entlang der Ränge wird nochmals aufgepflügt: die Weinberge sind nun winterfertig.

WINTER

Die Winterruhe im Weinberg wird zum Beschneiden der Rebstöcke genutzt. Der Winterschnitt stärkt die Pflanze, indem ihr späteres Wachstum durch die Auswahl der später fruchttragenden Triebe und Augen natürlich begrenzt wird. Das ist eine harte Männerarbeit, der sich unsere Winzer den ganzen Winter über widmen. Im Anschluss dann verbrennen die Winzerinnen die entfernten Triebe, binden die Traghölzer auf und befestigen den Wurzelstock mit einem Pflanzenfaserband an einem Holzpflock, im Médoc verwendet man dafür ein aus Korbweide gewonnenes Material, auch „vime" genannt.

   

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