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Mehrere bordelaiser, englische und holländische Weinhändlerfamilien schlossen
sich 1938 zum Erwerb des Gutes zusammen − die Familien Sichel, Mähler-Besse,
Ginestet und Mialhe − und verhalfen Palmer zu seinem heutigen Ruf und Rang.
Die Nachkommen der Familien Sichel und Mähler-Besse, Besitzer von Château
Palmer, führen heute das Werk ihrer Großeltern fort.
Die aus den Niederlanden stammende Familie Mähler widmete sich in Arnhem
dem Textil- und dem Weinhandel.
Der Gründer der französisch-niederländischen Dynastie, Frédérick (1868-1952),
heiratete 1905 Marguerite Besse, Tochter einer bordelaiser Schiffbauerfamilie,
und ließ sich in Bordeaux nieder, um dort einen Weinhandel zu gründen.
1938 fasste Frédérick Mähler den Kauf eines Weinguts ins Auge und dachte dabei
an Château Gruaud-Larose. Aber seine Freunde Sichel, Ginestet und Miailhe
überredeten ihn zur Teilnahme an ihrem gemeinsamen Abenteuer: Château
Palmer.
Über seine Handelsgesellschaft Mähler-Besse förderte er den Export von Palmer
in die Niederlande, Belgien, die niederländischen Kolonien, Deutschland,
Mitteleuropa und Russland.
Sein ältester Sohn Henry (1906-1997) stieß dann 1928 zum
Familienunternehmen und übernahm 1945 die Nachfolge seines Vaters.
Heute leitet Henrys Sohn Franck die Gesellschaft.
Die Familie Sichel ist seit 1883 im Weinhandel tätig. Der Gründer der Dynastie,
Hermann Sichel, von deutscher Abstammung, hatte drei Söhne, die später ihre
eigenen Handelshäuser gründeten, einer in Frankreich, einer in England und
einer in Deutschland. Allan Sichel (1900-1967) kommerzialisierte die
Bordeaux-Weine in England und gründete das Haus Sichel in Bordeaux. 1938 kaufte er
zusammen mit seinen Partnern Château Palmer &minus was zu dieser für alle
Spitzenweingüter schwierigen Zeit fast unsinnig schien, doch welch eine
Liebeserklärung an den Wein!
Getrieben von seiner Liebe zu den Bordeaux-Weinen und ihrem Anbaugebiet und
ausgestattet mit demselben Geschäftssinn wie sein Vater, ließ sich dann 1960
sein Sohn Peter (1931-1998) in Bordeaux nieder. Hier heiratete er Diana, die wie
er aus England stammte. Heute setzen seine Söhne Allan, James, Charles und
David sein Werk im Hause Sichel fort.
Die Geschäftsführer
Unter der deutschen Besatzung führte Edouard Mialhe die Geschäfte. Donald und
Petie Kladstrup, Autoren des äußerst lehrreichen, 2002 erschienenen Buchs „Wine
and War" widmen ihm mehrere Seiten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
und der Zerstörung des Schlosses durch die deutsche Armee wurde der Weinberg
dann 1950 unter der Geschäftsleitung von Jean Bouteiller (1913-1962), dem
Schwiegersohn von Frédérick Mähler, neu angelegt. Bis 2004 unterstand die
Geschäftsleitung dann seinem Sohn Bertrand.
Für alle diese Familien stand, trotz aller finanziellen Risiken, seit dem Erwerb des
Weinguts Qualität im Mittelpunkt. Sie befolgten schon immer die Grundregeln,
denen die bordelaiser Spitzengüter ihr Vermögen verdanken: Authentizität,
Qualität und Nachhaltigkeit. Mit immerwährendem, konzessionslosem Einsatz
sorgten sie dafür, dass dieser Lage ihr unvergleichliches Potenzial erhalten blieb,
dank dem sie auch heute noch zu den weltweit führenden Spitzenweinen zählt.