DER GENERAL PALMER
Charles Palmer (1777-1851), der Sohn von John Palmer, ein wohlhabender Mann mit
guten Beziehungen zur Aristokratie, war in seiner Jugend mit dem Marquis von Bath
und Lord Camden befreundet, die er auf den Eliteschulen Eton und Oxford kennen
gelernt hatte. 1808 folgte er seinem Vater in das Amt des Bürgermeisters im damals
sehr beliebten Badeort Bath und wurde Mitglied des Unterhauses. Charles Palmer
kaufte sich einen Offiziersgrad im sehr gesuchten 10. Husarenregiment unter dem
Befehl des Prinzregenten, dem zukünftigen George IV., und wurde dessen Adjutant.
Frankreichs heroische Zeit unter Napoleon I. neigte sich dem Ende zu, und 1814
kam Charles Palmer im Anschluss an den Spanischen Krieg zwischen Napoleon und
England mit den Truppen des zukünftigen Herzog von Wellington nach Frankreich.
Er erstand dann mit der ihm vom Unterhaus für die von seinem Vater dem Land
erwiesenen besonderen Dienste bewilligten Summe das Weingut Château de Gascq
und gab ihm seinen Namen ind Stil.
Charles Palmer, Gentleman, Offizier und Adjutant des Prince of Wales, am
englischen Hof bekannt als Frauenheld und siegreicher Soldat, verfiel kampflos
dem unwiderstehlichen Charme der Stadt Bordeaux und der schönen Witwe Marie de
Gascq, die ihn während einer eher als „stürmisch" zu bezeichnenden,
gemeinsamen Kutschenreise zum Kauf der Besitzung überredete.
Seiner leidenschaftlichen Natur gemäß, investierte Charles Palmer viel Zeit,
Energie und Geld in die Entwicklung des Guts. Zwischen 1816 und 1831 kaufte er
Parzellen, Immobilien und kleine Pavillons in den Gemeinden Cantenac, Issan und
Margaux. 1830 umfasste sein Besitz dann 163 ha, davon 82 ha Rebfläche.
Seinen Hauptwohnsitz hatte der Generalmajor in England. Seine Besitzung in
Frankreich verwaltete an seiner statt der Makler M. Grey, der eine wohlhabende
Kundschaft anzulocken verstand. In Bordeaux wiederum vertraten der Händler Paul
Estenave und der Verwalter Jean Lagunegrand seine Interessen.
Während die Bordelais das Weingut sorgsam pflegten, machte Palmer dessen Namen
in seinem Heimatland bekannt. Dank seiner Beziehungen und seines Charmes war der
Palmer's Claret bald in den Londoner Clubs sehr beliebt und genoss ebenfalls die
Gunst des zukünftigen Königs George IV., der Charles Palmer freundschaftlich
zugeneigt war. Er blieb jedoch weiterhin ein großer Genießer und gab Unsummen für
feine Speisen und edle Weine aus. Dieser Lebensstil überstieg jedoch weit seine
Mittel und führte ihn schließlich zum Ruin. 1843 musste der nunmehr ruinierte
General Palmer sein wundervolles Gut verkaufen. Trotz dieser persönlichen
Niederlage hinterließ er seinen Nachfolgern ein äußerst erfolgversprechendes
Weingut.
Der General investierte sein gesamtes Vermögen in Palmer und der Verkauf der
Besitzung durch die Banker Péreire im Jahre 1853 war das Ergebnis seiner
unbändigen Leidenschaft für diesen einzigartigen Spitzenwein.